Ich war erstaunt, das schaffen zu können Erfahrungen mit einer Gewaltbeziehung

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Möchtest Du wissen, wie andere Frauen sich aus einer Beziehung lösen konnten, in der sie Gewalt erlebt haben? Oder möchtest Du wissen, wie sich eine solche Partnerschaft entwickelt und warum eine selbstbewusste Frau zunächst sogar häufig bei ihrem gewalttätigen Partner bleibt? Wie geht es einer Frau, die solch schwierige Erfahrungen hinter sich hat? Wie sieht ihr Leben danach aus?

Miriam (33) ist zahnmedizinische Sachbearbeiterin. Sie hat zwei Kinder, die bei ihr leben und beide unter mehreren Beeinträchtigungen leiden.

Bitte beachten: Teile des Interviews können triggern, da Gewalterfahrungen geschildert werden.

Wie war das Verhältnis zu Deinem Partner am Anfang, als Ihr Euch kennengelernt habt?

Am Anfang (allerdings nur recht kurz) war er wie ein Retter für mich, der mich aus meinem schwierigen Altag herausgeholt hat und mich unterstützt hat. Wir waren uns in fast allen Dingen einig und es war ein bisschen wie „wir zwei gegen den Rest der Welt“. Er war recht großzügig und wollte gerne viel Gemeinschaft haben und die Kommunikation war für mich großartig. Er wollte mich auch relativ schnell heiraten, was mir natürlich zusätzlich das Gefühl gegeben hatte jemand wirklich besonderes für ihn zu sein.

Wie hat sich die Beziehung im Laufe der Zeit entwickelt?

Eigentlich sofort nach der Hochzeit zeigte er ein völlig anderes Gesicht. Erstens hatte ich den Eindruck, dass er manisch depressiv ist (was sich in regelmäßigem Weinen, frustriert sein und Gemeckere seinerseits, dass keiner erkennt wie gut er ist, geäußert hat). Des weiteren waren plötzlich alle gemeinsamen Freunde „falsch“. Hinzu kam ein wahnhaft religiöses Verhalten. Feste wie Weihnachten, das er während der Verlobungszeit noch mitgefeiert hatte, waren plötzlich etwas Böses, dass jetzt nicht mehr gefeiert werden durfte. In anderen Bereichen hatte er mich unter sehr charmanter Weise mehr und mehr abhängig gemacht. „du brauchst doch kein eigenes Konto“, „dein Arbeitgeber ist unfair, du brauchst da nicht mehr zu arbeiten“ (er schrieb eine Kündigung an meinen Arbeitgeber) etc. das alles tat er aber immer mit dem Vorwand dass er sich ja um mich sorgen würde, tatsächlich aber „entmachtete“ er mich.

Zu welchem Zeitpunkt hast Du die Gewalt klar erkennen können?

Bis ich es klar erkennen konnte hat es Jahre gedauert. Ich habe alle möglichen Erpressungen als mangelnden positiven Erfahrungen seinerseits abgetan und alles gerechtfertigt, da ich ihm blindlings geglaubt habe, dass er von ach so vielen Leuten abgelehnt und unterschätzt wurde. Er hatte sein Gehalt, auch als ich mich um die gemeinsamen Kinder gekümmert habe, immer als sein Geld betrachtet. Somit musste ich jeden Cent den ich ausgab (mehr als 50 Euro hatte ich mich eh nie getraut) rechtfertigen. Ich musste mich sogar dafür rechtfertigen, warum ich einen Autositz oder einen Buggy für die Kinder brauche. Er hat viel gelogen und Aussagen die er getroffen hat einfach verleugnet. Wenn ich ihn an Abmachungen erinnerte, sage er einfach, das hätte ich nie zu ihm gesagt bzw nie geäußert. Wenn er schlecht drauf war (was oft der Fall war) musste ich ihn solange bemuttern und aufmuntern, bis er wieder gut drauf war. Wenn ich mich nicht brav als „schuldig“ bekannt habe, hat er so lange geschwiegen, bis ich um des Friedens willen nachgegeben hatte. Er sah sich als perfekt an, alle anderen waren falsch. Erst mit der Zeit wurde ich skeptisch, da die Menge an „bösen“ Arbeitgebern und Freunden beständig zunahm. Als ich anfing mehr und mehr zu verstehen, dass hier irgendetwas nicht stimmt und darüber nachzudenken welche Bedürfnisse ich habe und dies auch äußerte wurde sein Verhalten immer schlimmer. Am Schluss wollte er mir und den Kindern den Kontakt zu meinen Eltern verbieten, weil sie Weihnachten feierten.

Wie bist Du mit dieser Erkenntnis umgegangen?

Erstmal hatte ich die Hoffnung etwas ändern zu können, aber auf dem falschen Weg. Denn je mehr ich gab, desto mehr verlangte er. Ich verbrachte inzwischen täglich Stunden damit ihm und seinen Themen Gehör zu schenken, während ich natürlich nie zu Wort kam. Gleichzeitig merkte er wohl unbewusst, dass ich anfing Grenzen zu setzen, dadurch wurde sein Verhalten schlimmer. So schlimm, dass ich innerlich flehte dass er geht, damit ich nicht vollkommen ausraste und etwas tue, was dann meine Kinder ausbaden müssten. Er war sehr redegewandt und konnte Menschen schnell erstmal von sich überzeugen, zumal er sehr glaubhaft alles verdrehen konnte. Eine Paartherapie wollte ich nicht, da mir klar war dass er sehr wahrscheinlich (wie immer) von sich auf andere projezieren würde und sich als den tollen fürsorgenden Mann und Vater dastellen würde. Dem wäre ich nicht gewachsen gewesen, damals zumindest nicht.

Wann war für Dich klar, dass nur noch eine Trennung möglich ist und wer oder was hat Dir bei der Entscheidung geholfen?

Als er in der Uniklinnik ein paar Stunden vor einer schweren Operation an unserer Tochter aus heiterem Himmel sagte „wir sollten uns trennen, du bist nicht die Richtige für mich, du bist nicht die, die du vorgegeben hast zu sein“ war für mich eindeutig eine Grenze überschritten. Später sagter er dann frei heraus, dass er ja keine Trennung wollte , sondern lediglich dalegen wollte, dass er unzufrieden war. (Erpressung in einer Situation wo ich nicht schwächer hätte sein können). Auch wenn diese Aussagen für ihn nur ein Versuch war, mich wieder gefügig zu machen, war für mich in dem Moment klar „Jetzt ist es vorbei“. Ich habe dann die Zeit im Krankenhaus genutzt, das erste Mal mit einer Freundin darüber zu reden, die klar sage „Trenn Dich!!!“. Je mehr ich mit verschiedenden Leuten darüber sprach, desto mehr Bestätigung bekam ich. Eine befreundete und eine fremde Psychologin sagten mir beide, dass er gefährlich sei und ich mich trennen sollte. (Nebenbei fand ich einige Beurteilungen von ihm über mich, in denen er mich und Frauen generell aufs schärfste verurteilte und in großen Buchstaben schrieb „Die Macht der Vagina brechen“, „Alle Frauen fühlen sich sexuell von mir angezogen bis sie das Gegenteil beweisen“, „Ich bestimme den emotionalen Rahmen“ etc.)
Als ich diese handbeschriebenen Zettel von ihm fand, war mir klar dass er trotz Studium (ich dachte immer dass er soviel gebildeter sei als ich) etc. einfach nur „krank“ war und es kein Zurück gibt.

Wie hast Du die Trennung vollzogen?

Ich sagte meinem Exmann, dass ich das Gesagte ernstnehme und auch die Trennung möchte. Da fing der Krieg an. Einerseits hatte er zwei Wochen nach der Krankenhausgeschichte schon neue Beziehungen (er schien erleichtert und froh) und ganz schnell einen Anwalt parat, andererseits versuchte er mich zu erpressen wo es nur ging.

Er kündigte in meinem Namen den Mietvertrag des Hauses und des Gemeinschaftskontos. (Dafür wurden meine Unterschriften von ihm gefälscht). Er sagte die schlimmsten Dinge im Beisein der Kinder. Er drohte mir alles Mögliche an. Ich „floh“ dann erstmal zu meiner Oma die 600km entfernt war um etwa Abstand zu bekommen. In den vier Tagen ging er zum Jugendamt und zur Polizei und meldete mich als „Entführerin“ der Kinder an, der nicht wüsste, warum ich wo sei. (Er wusste es genau, rief er dort doch an). Egal um was es ging er blockierte alles, entfernte das gesamte Inventar des Hauses während unser Abwesenheit (bis heute habe ich vieles nicht zurück) und zahlte natürlich keinen Unterhalt.

Es gab sechs Gerichtsverfahren gegen ihn, wegen Unterhalt und Sorgerecht . Da er heimlich alle Behandlungen meiner Tochter an der Uniklinik verbat, verlor er das Sorgerecht. Daraufhin gab es bedauerlicherweise betreuten Umgang, den beide Kinder nicht wollten, aber das zählte nicht, da sie ja unter 12 J waren. Dass beide Kinder aufgrund der Erkrankungen sehr schutzbedürftig waren, er zwei Jahre keinen Kontakt hatte oder Geschenke brachte, und keinen Unterhalt zahlte interessierte die vom Jugendamt und Gericht nicht. Allerdings ging ich da auf die Barikaden, indem ich darauf bestand bei den ersten Treffen dabei zu sein, mir war es völlig egal mit was mir das Jugendamt oder Gesetz drohen wollte. Er heulte den Verfahrensbeistand voll, wie sehr ihm seine Kinder fehlen würde. Bei den Treffen hatte er allerdings immer nur eine Stunde Zeit und brach den betreuten Umgang nach dem dritten Mal ab. Ich bekam drei Jahre lang ellenlange Mails mit Listen über das, was ich nicht kann und nicht bin – explizit aufgelistet – zugeschickt. Anklagen darüber, dass ich an allem Schuld sei etc. Dann – während des letzten Verfahrens – hat er sich nach Amerika abesetzt, mir einen hohen Kredit hinterlassen und natürlich weiterhin nicht gezahlt.

Inzwischen läuft eine Anzeige gegen ihn und etliche Ämter „freuen“ sich auf ein Wiedersehen mit ihm.

Wie ging es Dir in der Zeit nach der Trennung?

Schon direkt nach dem Auszug ging es mir einerseits deutlich besser. Ich sagte am Anfang zu mir und anderen „Ich werde kein Opfer sein!“. Andererseits waren die „Bestrafungen“ seinerseits sehr intensiv und ich war ständig mit dem Gericht, dem Jugendamt, Familienhelfern, Anwälten und der gesundheitlichen Versorgung beider Kinder, sowie der Aufrechterhaltung unserer Existenz beschäftigt. Dadurch war ich dauernd unter Strom und es dauerte zwei Jahre, bis ich innerlich deutlich ruhiger werden konnnte. Anfangs hatte ich natürlich auch Angst vor dem Jugendamt, (die oft nicht sehr sensibel mit solchen Erlebnissen umgehen, bzw ja nie parteeisch sein dürfen) den Gerichten etc, denn das war alles unbekanntes Terrain und diese Institutionen sind wenig offen für nicht offensichtliche Gewalt. Allerdings erwachte in mir eine „Löwin“ ich merkte dass ich sehr wohl fähig war ohne ihn (sogar noch besser) zurecht zu kommen. Ich fing an mich voll und ganz auf meine Aufgaben zu konzentrieren, das, was wichtig war, gleich zu erledigen etc. Ich war erstaunt darüber, das alles schaffen zu können. Ich habe mich sehr viel durchs Lesen vieler Bücher abgelenkt, das gegessen, worauf ich wann Lust hatte und versucht für alles mögliche dankbar zu sein. Am Anfang hat mir u.a. der Vergleich mit anderen Menschen in Not sehr geholfen.  Natürlich waren da auch noch meine Kinder, die ich sehr liebe und die ich vor allem glücklich sehen wollte.

Hast Du Dich nach Deinem Expartner gesehnt und vielleicht sogar einen Neuanfang erwogen oder bist sogar zurückgekehrt?
Oder hast Du viel mit Gefühlen wie Wut, Verzweiflung, Eifersucht etc. kämpfen müssen?
Wie bist Du mit diesen Gefühlen und Situationen umgegangen? Wie konntest Du Dich wieder lösen?

Ich war ab und zu hin und her gerissen. Denn natürlich sehnte ich mich nach dem „perfekten“ Familienbild und wollte doch nie so eine Geschichte erleben. Ich hatte gehofft, dass er zur Vernunft kommen würde. Dies Hoffnung wurde aber immer wieder (Gott sei Dank) zunichte gemacht. Er hatte mich als „Feindin“ die „bekriegt“ werden muss auserkoren und blieb diesem Muster treu. Eifersüchtig war ich auf seine „Freiheit“ arbeiten gehen zu können, Freizeit zu haben, viel mehr Geld zu haben als ich etc. Als er vier Wochen nach der Scheidung wieder verheiratet war, war ich schon fassungslos, zumal ich, als ich seine frohe Botschaft via Mail von ihm bekam, mit meiner Tochter im Krankenhaus war, bei der ein Tumor in der Speiseröhre diagnostiziert war. Grundsätzlich war ich wütend und eifersüchtig auf die Tatsache, dass ich ohne Ende kämpfen musste, während er es so „einfach“ hatte. Ich habe die Gefühle jeglicher Art zugelassen, aber auch darauf geachtet irgendwie die Kurve zu bekommen, was mit zwei Kindern im Haushalt auch nicht anders geht. Verdrängen ging bei der Intensität nicht, was sicherlich auch gut war. Lösen konnte ich mich mit Ablenkung (Lesen) und später durch Refelektieren und genauem Nachdenken. So stellte ich mir selber Fragen wie z.B.:

  • „Willst du sowas wirklich zurück, um eine Pseudo-Sicherheit zu haben?“
  • „War es wirklich so schön“? „
  • „Ja, die neue sieht schön aus, aber glaubst du wirklich dass sie es besser haben wird?“
  • etc.

Wie fühlst Du Dich heute?

Erstens habe ich mich selber wirklich kennen gelernt, das was ich wirklich will, wo meine Grenzen sind, diese zu setzten und zu verteidigen wenn nötig. Ich habe viel von der Angst vor anderen Menschen verloren, für meine Werte (auch vor Gericht) einzutreten. Ich habe gelernt Menschen und Dinge gelassener zu sehen. Früher war ich panisch wenn ein Brief vom Amt kam oder ich nicht sofort eine Rechnung bezahlen konnte. Heute weiß ich, dass mit gesunder Kommunikation einiges zu erreichen ist und dass meine Werte nicht falsch sind, nur weil andere es nicht so sehen. Es ist unerheblich, was Menschen über mich denken, denn sie haben meinen Alltag nicht und sie sind nicht ich.

Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit meinem Leben. Ich bin erstaunt und auch ein bisschen stolz darauf, was ich alles geschafft habe. Meine Kinder gelten überall als sehr ausgeglichen und glücklich und emotional fühle ich mich total wohl und frei.

Was mich wirklich immer noch ärgert ist das Rechtssystem. Es wird den Unterhaltsverweigerern unglaublich leicht gemacht. Die Wünsche der Kinder werden nicht berücksichtigt und das was man erlebt hat wird überhaupt nicht beachtet oder unsensibel behandelt. Aber auch da muss ich lernen zu akzeptieren, dass ich nicht alles ändern kann. Ich wünsche mir sehr, dass Alleinerziehende mehr geschüzt werden und nicht noch mehr unter Druck gesetzt werden. Das, was sie leisten, muss endlich anerkannt werden, auch finanziell.

Was sind Deine wichtigsten Tipps für Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind?
Was brauchen Frauen aus Deiner Sicht, um sich aus einer Gewaltbeziehung zu befreien und was hilft ihnen dabei?

Ich glaube besonders wichtig ist es zu erkennen „was möchte ich eigentlich“, „fühle ich mich wirklich wohl damit“, “ was stört mich“? Denn nur, wenn man erkennt dass etwas nicht stimmt, kann man auch etwas ändern. Mein Tipp ist erstens viel mit anderen (denen man vertraut) reden, aber gleichzeitig beachten, dass sie lediglich einen Rat und keine Weisung (Befehl) geben. Beratungsstellen aufsuchen und wenn man sich dort nicht wohl fühlt unbedingt eine weitere Beratungsstelle (Psychotherapeut) aufsuchen.

Dann würde ich – wenn möglich – versuchen eine Trennung einigermaßen vorzubereiten. Das heißt, einen Ort suchen, andem man mit den Kindern ganz sicher jederzeit vorübergehend wohnen kann. Falls nicht vorhanden, ein eigenes Konto eröffnen. Gegenstände und vor allem wichtige Papiere kopieren und bei engen Freunden lagern. Schriftliche Drohungen etc. aufbewahren. Kennwörter des PCs verändern. Schnellstmöglich das Jugendamt kontaktieren zwecks Beratungsgespräch und einen Anwalt beauftragen. (Gewaltbereite Menschen halten sich idR nicht an Abmachungen).

Des Weiteren finde ich es wichtig sich einerseits den Aufgaben und der Verarbeitung der Erlebnisse zu stellen aber sich auch immer wieder bewusst machen, dass ist nicht das Ende, sondern der Anfang für etwas wunderbar neues.

Vielen Dank, Miriam!!!

Dieses Interview ist Teil einer Serie. Ich befrage Frauen, die Gewalt in einer Partnerschaft erlebt haben und bitte sie darum, ihre Erfahrungen und Bewältigungsstrategien zu schildern. Die Interviews sollen anderen Frauen Mut machen, die in einer ähnlichen Situation sind. Außerdem sollen sie aufklären, wie eine solche Beziehung überhaupt zustande kommen kann und wie sie sich entwickelt.

Jede vierte Frau erlebt häusliche Gewalt.
Partnerschaftsgewalt ist keine Privatsache.
Gewalt geht jeden etwas an.

Wenn Du auch Deine Geschichte erzählen möchtest, um anderen betroffenen Frauen zu helfen, wende Dich über mein Kontaktformular an mich. Eine Veröffentlichung kann gern auch anonym erfolgen. DANKE!


Bild: Pixabay, cegoh

7 Kommentar

  1. Hallo Rona,

    ich bin eine stille Leserin deines Blogs, ich lese gern mit, oft auch mit anderer Meinung und finde den Eintrag über die Konsequenzen der Trennung deiner Eltern in den 80iger Jahren mit Abstand als den stärksten aller Einträge; wir sind etwa gleich alt, die Atmosphäre der 80iger ist sehr, sehr gut getroffen;

    Das Lesen vom Interview mit Miriam hat mich jetzt jedoch etwas geschockt:
    natürlich ist die Beschreibung einer Trennung immer subjektiv und wird somit auch subjektiv wiedergegeben, und da ich
    Miriam und ihre Situation nicht kenne, steht mir ein Urteil als Leserin nicht zu, ich muss es letztlich unkommentiert lassen;

    was ich jedoch nicht unkommentiert lassen möchte ich folgende Aussage über ihren EX:

    „erstens war er manisch depressiv (was sich in regelmäßigem Weinen, frustriert sein und Gemeckere seinerseits, dass keiner erkennt wie gut er ist, geäußert hat).“

    Einer manisch-depressive Erkrankung ist eine leichte bis sehr schwerwiegende Erkrankung, die sich in vielem äußert, aber sich nicht in unleidlichem Benehmen gegenüber der Ehefrau;
    wer einen manisch-depressiven Partner hat sollte ihm helfen die kranken Phasen schnell zu erkennen und dadurch kurz
    zu halten oder wenn das zu viel Mühe macht, sich trennen.

    Krankheit kann das Verhalten von Menschen vorübergehend verändern, ist aber kein Charakterzug.

    Ich weiß natürlich nicht, ob Miriams Ex krank ist oder nicht, aber durch solche Äußerungen disqualifiziert sich das ganze Interview;
    es hat mich auch erstaunt, dass du dieses Interview so autorisiert hat, denn dein Blog beschäftigt sich oft mit dem Thema „Depression“ und solch unbedarfte Sätze im Interview diskreditieren letztlich auch dein Blog;

    Gruß Sandra

  2. Liebe Sandra,

    vielen Dank für Deine Rückmeldung. Es freut mich, dass Du ab und zu meine Beiträge liest. Mit Depression beschäftige ich mich jedoch eigentlich nicht dezidiert auf dieser Seite. Leider bin ich auch keine Expertin für Depressionen. Daher danke ich Dir sehr für den Hinweis und werde bei Miriam noch einmal nachfragen.

    Herzliche Grüße
    Rona

  3. Hallo Sandra,

    ich denke schon dass ich das Geschehene inzwischen objektiv beschreiben kann zumal inzwischen einige Jahre vergangen sind. Ich verurteile auch niemanden der an Depression erkrankt ist. Da ich mit ihm acht Jahre lang verheiratet war und die Probleme live miterleben musste habe ich mich auch damals schon damit beschäftigt was es sein könnte, dass er zb an nichts Freude hatte, regelmäßig im Bett oder am Boden lag und geweint hat, dass er regelmäßig davon sprach sterben zu wollen und nicht in der Lage war irgendetwas positiv zu sehen etc. Er war nicht in der Lage sich um seine Kinder zu kümmern. Wenn er eine neue Idee hatte was er machen könnte zb beruflich dann war er sehr ambitioniert und motiviert. Dann war er gelassen und fröhlich. Er lebte immer nur in eine von diesen zwei Phasen. Hilfe von außen lehnte er ab sobald jemand etwas kritisch wurde. Ärzte wollte er überhaupt nicht aufsuchen. Dieses extrem schlimme Verhalten seinerseits nach der Trennung kann ua auch von anderen beeinflusst worden sein, zumal er sich sehr leicht von anderen beeinflussen ließ wenn er von ihnen beeindruckt war.

    Ehrlich gesagt verstehe ich auch diese Kritik nicht und finde sie ua auch unangebracht, zumal genau dieses in Frage stellen ob es denn wirklich so war oder ob die Person nicht wirklich objektiv ist dazu führen kann dass sich Menschen gar nicht erst trauen sich zu öffnen und sich zweitens nicht ernst genommen fühlen. Du warst nicht in dieser Situation und kannst es nicht beurteilen. Zum Glück habe ich alles schriftlich.
    Und noch einmal was ist deine Motivation hinter diesem Kommentar? Das beschriebene passt nicht zum Krankheitsbild eines depressiven Menschen? Es gibt auch doppel Diagnosen wie Down Syndrom mit Autismus etc. Ich habe keinen depressiven Menschen angegriffen sondern darauf hingewiesen dass es besonders schwer war, da er professionelle Hilfe abgelehnt hat.

    Mit freundlichem Gruß

    Miriam

  4. Hallo Miriam,

    vielen Dank für deine Antwort.

    Zunächst einmal: das Zusammenleben mit einem Menschen, der akut psychiatrisch erkrankt ist, kann für die Partnerin entsetzlich sein, selbstverständlich darf man sich auch trennen und über das eigene Leid berichten- keine Frage, genau aus diesem Grund existieren ja auch die Selbsthilfegruppen für Angehörige.
    Hier noch mal ganz deutlich von meiner Seite:
    Ich möchte deine eigene Situation nicht klein reden!!!

    Ich finde auch, dass deine Beschreibung in ganz vielen Punkten durchaus zu einer manischen Depression passt. Hat die Erkrankung erst ein bestimmtes Level erreicht, ist dem Kranken auch keine Einsicht in die eigene Erkrankung mehr möglich, daher wird oft eine Behandlung abgelehnt. Zur Selbstreflexion ist es für den Patienten dann zu spät.
    Zu diesem Zeitpunkt gibt es eigentlich nur zwei Wege:
    – jemand greift massiv hartnäckig von außen ein und nötigt den doch nahen Menschen irgendwie zum Arzt;
    – alle beginnen sich vom Kranken abzuwenden, weil sie irgendwann keine Kraft mehr haben, ihr ewiges Verständnis
    keine Resonanz zeigt, sie gekränkt (auch beschimpft) wurden und der Kranke verliert Familie, Freunde , Arbeitsplatz,
    Geld, die soziale und finanzielle Existenz;

    Du schreibst, dass du meine Kritik nicht verstehst und fragst mich nach der Motivation meines Kommentars- ich versuch`s nochmal:

    Dein Beitrag erwähnt relativ zu Beginn, dass dein Partner manisch -depressiv war.
    Anschließend folgt ein langer Beitrag über die katastrophalen Machenschaften deines Ex, bis hin zum Straftatbestand des
    Betrugs, in dem er Verträge mit der Fälschung deiner Unterschrift löst.

    An keiner Stelle wird erwähnt, dass du dir – obwohl du deinen Partner manisch-depressiv siehst- Sorgen um deinen kranken Mann machst, dass du dich von Ärzten beraten lässt, dass du Freunde von ihm um Hilfe bittest … und so verliert der Begriff „manisch-depressiv“ Satz um Satz immer mehr den Stellenwert einer Krankheitsbeschreibung und wird
    immer mehr zum Synonym für „böse“.

    Und nur dieser Punkt ist meine Kritik , nichts anderes !!!

    Psychiatrische Erkrankungen bereiten den Betroffenen auch heute noch neben dem Krankheitsbild selbst oft einen
    gesellschaftlichen Kollateralschaden, deshalb sollte man in diesem Zusammenhang einfach super-vorsichtig sein, auch beim Einsatz von Begriffen, die Diagnosen sind.

    Gruß Sandra !

  5. Liebe Sandra,

    danke für Deine Antwort. Okay natürlich habe ich mir Sorgen um ihn gemacht, ein Grund warum ich solange bei ihm geblieben bin. Ich habe mit Ärzten gesprochen, aber als Antwort nur erhalten dass er selbst kommen muss um Hilfe zu beanspruchen. Seine Freunde auch professionelle Seelsorger haben ihm gesagt dass sie ihm nicht mehr helfen können und dass er in eine Klinik gehen soll, sie ihn sogar begleiten würden. Die Folge davon war dass er diese Leute komplett aus seinem Leben ausgesperrt hat. Er hat ständig seine Arbeit verloren, zum Schluss eigentlich alles.
    Ich bin nicht näher auf diese Problematik eingegangen weil es in diesem Interview ja nicht darum ging. Ich habe es erwähnt um aufzuweisen dass er auch in diesem Bereich nicht bereit war sich selbst zurück zu nehmen um zb seine Familie zu unterstützen. Als ich nicht mehr die Kraft hatte ihn immer wieder aufzurichten, da meine Tochter schwer krank wurde und ich ihm gesagt habe dass ich jetzt endlich mal seine Hilfe brauche und er sich nicht nur um sich selbst drehen soll, ab da wurde er auch mir gegenüber wütend und ich wurde ausrangiert wie alle die ihn Grenzen aufweisen.
    Mir hat definitiv das professionelle Wissen gefehlt ihn “ richtig “ zu behandeln bzw professionell auf sein Verhalten einzugehen. Aber nach all den Jahren und die Sorge um das Leben des eigenen Kindes hatte ich definitiv keine Kraft mehr dazu.

    Viele Grüße
    Miriam

  6. Liebe Miriam, liebe Sandra,

    ich habe den Passus am Anfang abgeschwächt. Insgesamt hatte ich selbst jedoch bei dem Interview nicht den Eindruck, dass alle Verhaltensweisen mit der (vermuteten) Depression in Zusammenhang gebracht und damit begründet werden. Miriam beschreibt ja am Anfang, dass es nur ein Teil der Schwierigkeiten war. Wenn Du meinst, dass es wichtig ist, kann ich auch noch eine Richtigstellung ans Ende des Interviews setzen, Sandra.

  7. Hallo Miriam,

    vielen Dank für deine Antwort.

    Hallo Rona,

    vielen Dank für deine Antwort und die Abschwächung des Passus am Anfang des Beitrags.
    Eine Richtigstellung am Ende des Interviews ist von meiner Seite nicht mehr zwingend notwendig, da durch das Interview in Kombination mit unseren Kommentaren jetzt ohnehin die ganze Diskussion für alle LeserInnen offen liegt.

    Gruß Sandra !

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