Gender-Reset Turn it on

InFamilienbild, Inspiration, Klartext, Muttermythos, Partnerschaft

So meine Lieben. Jetzt, wo sich ja alle scheinbar sehr unwohl fühlen mit Gender-Studies und Feminismus – sowohl Männer als auch Frauen – können wir ja einfach mal den Reset-Knopf drücken.

Wir kehren jetzt mal schön zurück zu einer Zeit, die es zwar nie gegeben hat, die wir uns aber einfach wundervoll vorstellen. Der Mann ist der starke Ernährer, der jeden Tag unter unverständlichen Grunzlauten mit einer Horde anderer Männer zum Jagen aufbricht (Männer reden ja bekanntlich nicht gern). Natürlich jagt er nicht nur Wild, sondern auch Frauen. Das liegt ja in seiner Natur. Um die 40 kg schlank und rank abgehangene Frau in jugendlichem Alter und ohne intellektuelle Allüren darf täglich erjagt und begattet werden.

Die Frauen sitzen derweil – wie sich das gehört – mit den Kindern zu Hause, halten Ordnung und machen das bisschen Höhlen-Haushalt. Es wird munter gebastelt mit Stöckchen und Fädchen (alles öko, natürlich). Es wird schön gekocht. Es wird gesungen und gelacht (für die Kamera) und der Gruppenzwang wird schon dafür sorgen, dass keine ausschert, der das eigentlich zu langweilig ist, und die auch jagen will – z.B. 80 kg Mann.

Die Kinder fühlen sich natürlich pudelwohl, weil so müssen Kinder ja leben. Immer schön bei Mama und ihren Kolleginnen und möglichst ständig im Körperkontakt. Dass die Mama regelmäßig überfordert ist, weil sie ihre eigenen Bedürfnisse (z.B. 80kg Mann mit intellektuellen Allüren oder Baden im Naturfluss oder sinnlos rumtanzen oder LESEN?!? oder kein Kind mehr am Rockzipfel) zurückstellt, interessiert keinen. Mama ist Mama. Insofern ist sie auch immer sowieso die Beste und niemand kann so gut mit Kind wie Mama. Ob Mama gut mit Kind kann, interessiert keinen. Ob Kind mit Mama kann (oder eigentlich am liebsten sowieso nur mit Kindern zusammen ist; wer betreut ist schnuppe), erst recht nicht. Mama soll ihr naturgegebenes Mama-Programm abspulen, das bei ihr seit Urzeiten intuitiv eingebaut ist (wo noch gleich?).

Ja, und Denken? Oder sogar den Mann intellektuell überholen? Nein, also das geht ja gar nicht. Das ist von der Evolution nun so gar nicht vorgesehen. Frauen wollen doch grundsätzlich IMMER eigentlich Männer, die ihnen geistig und körperlich überlegen sind. Sie wollen doch eigentlich zu Hause bleiben bei den Kindern. Sie sind gar nicht konstruiert für Karriere. Und sie fahren immer auf diese grunzenden Urtypen ab, weil das einfach hormonell so gesteuert ist. (Übrigens muss ich jetzt nebenbei noch erwähnen, dass ja die Väter die besseren Mütter sind. Insofern: wie wäre die Idee, dass wir die Frauen einfach abschaffen?)

Die Männer wiederum können gar nicht anders als auf blonde, großbrüstige und breithüftige Frauen abzufahren. Männer sind nicht daran interessiert, dass Frauen denken. Sie wollen mit ihren Frauen nicht reden. Sie wollen … achja. Und eigentlich geht es bei dem Ganzen ja sowieso immer nur um das Eine (Ihr wisst schon) und um die Arterhaltung. Für was anderes sind die Menschen doch gar nicht hier, wenn man es mal genau nimmt. Unser Gehirn können wir also eigentlich auch irgendwo entsorgen, weil wir ja hormonelle Wesen sind, eigentlich Tiere. Männer und Frauen sind halt so. Jungs und Mädchen ebenfalls. Da kommt man ja einfach nicht dagegen an, gegen diese hormonelle und evolutionäre Bestimmung. Und dass es dann da noch Menschen gibt, die das eigene Geschlecht lieben oder die sich in ihrem angeborenen Geschlecht nicht zu Hause fühlen – achja, das sind ja nur Randgruppen. Die brauchen wir jetzt mal nicht berücksichtigen. Und vor allem soll bitte keiner vor den Kindern darüber reden. Wenn die wüssten! Übrigens ist ja ganz klar, dass Jungs nur mit Jungssachen und Mädchen nur mit Mädchensachen spielen.

Achso, und das mit der Gewalt: Naja, das ist im Mann halt so angelegt. Sonst könnte er ja gar nicht richtig jagen. Er braucht sein Aggressionspotential, genauso wie die Frau natürlich immer fürsorglich ist und behütend. Überschneidungen dieser Eigenschaften sind von der Natur nicht vorgesehen. Insofern brauchen wir darüber gar nicht reden. Der Mann hat einfach zu Hause das Sagen. Punkt. Und die Frau muss kuschen mit den Kindern. Sonst gibt es viel zu viel Durcheinander. Wenn ihm dann mal die Hand ausrutscht, liegt das natürlich nur an der Frau. Sie war mal wieder widerspenstig und hat Widerworte gegeben. Das geht ja gar nicht. Ob der Mann jetzt unter seiner extremen Verantwortung zusammenbricht, interessiert übrigens auch keinen. Und die feinfühligen Männer, die kriegen sowieso keine ab, ist doch klar.

Bitte alle, die bereit sind, den Reset-Knopf zu drücken, in zwei Reihen aufstellen: Männer rechts, Frauen links. Wie, Sie fühlen sich weder als Mann noch als Frau oder Sie haben anderweitig Probleme sich einzuordnen, weil Ihnen das Rollenkorsett zu eng ist? Dann müssen Sie leider gehen. Frei leben ist hier nicht vorgesehen.


Bild: Pixabay, LaughingRaven

 

2 Kommentar

  1. Der Artikel macht Laune zu lesen. Insbesondere, weil ich diese Zwangssozialisation zur Frau schon seit meiner Kindheit leid bin. Diese Erwartungen an meine immer dauerhafte Friedfertigkeit an meine nie erschöpfende Quelle der Fürsorglichkeit, an meine selbstverständliche Bereitschaft zur Selbstaufopferung, die alles um der anderen Willen Zurücksteckende. Hauptsache die anderen sind glücklich und haben Spaß am Leben, für das ich Ihnen selbstverständlich den Rücken frei halte. Natürlich bin ich auch mit dem “Hausfrauengen” geboren und alles was mit Hausarbeit zu tun hat macht mir von Natur aus mehr Freude. Doch auch nur bis zu einem bestimmten Level. Denn würde ich tatsächlich spitzenmässig kochen, dann würde ich das nur solange können, bis es darum geht vielleicht auch erfolgreich damit zu werden. Denn wenn Frauen wirklich die besseren Köche wäre, was sie aufgrund ihres “Hausfrauengens” ja sein müssten und Männer dafür so ungeeignet sind, dann frage ich mich, warum die Mehrheit der Starköche, die uns in den Medien begegnet wiederum männlich ist. In meinen Augen geht es nicht um die Tätigkeit, es geht darum dass man irgendwie jemand
    braucht dem man sich unterwerfen kann in dem man ihn von sich abhängig macht und dumm hält. Damit das auch gut funktioniert appelliert man spätestens, wenn es dann doch mal gelingt, daraus auszubrechen an die sogenannte ” Natürlichkeit”, man haut uns Bindungstheorien um die Ohren, die selbstverständlich nur die wichtige Mutter-Kind- Bindung betreffen, andere Menschen gibt es ja nicht, und schon hat man wieder jede Menge Stoff Frau einzuschüchtern. Und nicht zuletzt unterstützt man noch ein paar Komplizinnen, die auch ja dafür sorgen, dass alle da ganz brav mitmachen, denn sonst droht soziale Ausgrenzung und das Leben wird Dir bestimmt zur Hölle gemacht, denn Du spielst das Spiel ja nicht mit. Und das ist böse und Du bist selbstverstänlich ein schlechter Mensch. Dass Du Dich so fühlst, dafür werden dann alle Register gezogen.

    • Liebe Andrea,

      es freut mich, dass Dir der Artikel Laune macht. Heute morgen dachte ich kurz, ich hätte ihn wohl doch lieber nicht veröffentlichen sollen, aber da war er schon – schwupps – woanders geteilt. 😉

      Die Aspekte, die Du nennst, kenne ich gut. Mich stört in aktuellen Diskussionen, dass da immer wieder von einer Natürlichkeit die Rede ist oder von einer evolutionären Prägung von Mann und Frau. Die ist sicherlich da. Die viel stärkere Prägung sehe ich aber in den Rollenbildern, die spätestens dann besonders deutlich spürbar werden, wenn Frauen Mütter werden. Ähnlich werden auch Männer von Kindesbeinen an von Rollenbildern geprägt, die sie ebenso einschränken, besonders wenn sie nicht dem Bild des starken Mannes entsprechen wollen oder können. Deren Irritation spüre ich besonders darin, dass sich einige von ihnen scheinbar auch heute noch erschrocken fühlen von den Veränderungen, die der Feminismus und die Gender-Forschung in unser Leben gebracht haben. Viele – auch Frauen – fühlen sich offensichtlich regelrecht angegriffen und setzen dann Evolutionstheorien als Verteidigung dagegen. Es ist, als wollte man die persönliche Freiheit von Rollenbildern dann lieber doch nicht haben und lieber zum Bekannten zurückkehren. Gern kommt dann z.B. das Argument, dass Frauen – auch Feministinnen – ja am Ende doch wieder den harten Kerl wollen.

      Die Errungenschaften des Feminismus und auch der verschmähten Gender-Forschung liegen für mich aber darin, dass ALLE dadurch freier werden in ihrer Definition von Mann, Frau, Vater, Mutter, Sexualität und sogar Familie. Das verstehen scheinbar viele immer noch nicht so richtig. Bei Feminismus und Gender-Forschung geht es eigentlich nicht um Geschlechterkampf. Es geht um Freiheit und Selbstbestimmung für alle. Und die macht Angst.

      (Diese Wahlfreiheit schließt ja im übrigen nicht aus, dass es Frauen und Männer gibt, die eine klassische Rollenverteilung wählen und dass manche Frauen lieber zu Hause bei den Kindern bleiben als zu arbeiten. Ich habe den Eindruck, dass das häufig einfach nicht verstanden wird.)

      Herzlich
      Rona

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