Der Heilermarkt Emotionalen Missbrauch durch Therapeuten erkennen

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Viele Menschen sind heutzutage von frühen Kindheitserfahrungen traumatisiert. Menschen, die schon in der Kindheit mit psychischer oder körperlicher Gewalt konfrontiert waren oder die nicht genügend Zuwendung erfuhren, sind besonders gefährdet, auch als Erwachsene Manipulation und Gewalt in ihren Beziehungen zu erleben oder selbst zu manipulieren und gewalttätig zu werden.

Gründe sind unter anderem:

  • Das Gefühl und der Respekt für die eigenen Grenzen wurde nicht geschult und bewusst oder unbewusst ständig übergangen.
  • Psychische oder körperliche Gewalt in den familiären Beziehungen wurde als normal erlernt.
  • Es wurde vermittelt, dass die eigenen Bedürfnisse und Grenzen weniger wichtig sind, als die Bedürfnisse der Eltern, der Familie oder der Gruppe.
  • Traditionelle Geschlechter- und Verhaltensbilder schränkten die Entwicklung von Selbstwahrnehmung oder Empathie ein.
  • Authentisches Verhalten und authentische und ehrliche Äußerungen wurden als unhöflich oder unerwünscht abtrainiert.

Die Folge ist, dass sich Beziehungsmuster als Erwachsene wiederholen, weil diese Menschen ihre Grenzen sehr schlecht spüren und keinen guten Kontakt zu ihrem Bauchgefühl haben. Das Bauchgefühl ist allerdings wichtig, um Übergriffigkeiten und Missbrauch frühzeitig zu erkennen.

Viele laufen nun mit einem enormen Leidensdruck durch die Welt auf der Suche nach einer Lösung für ihr Leiden und ihre Probleme. Einen Therapieplatz zu erhalten ist sehr schwer. Und selbst wenn man einen Therapieplatz ergattert hat, heißt das nicht, dass der Therapeut oder die Therapeutin passt und wirklich unterstützen kann bei der Bewältigung von traumatischen Erfahrungen. Menschen, die Gewalt in ihren Beziehungen erlitten haben, leiden häufig zum Beispiel noch sehr lang unter posttraumatischen Belastungsstörungen, die ihnen einen normalen Alltag fast unmöglich machen. Wenn sie dann zum Beispiel in einer Psychoanalyse nahegelegt bekommen, dem Täter und ihren Eltern zu verzeihen, leitet das genau in die falsche Richtung.

In den letzten Jahren boomt der Markt der Heiler, die versprechen, Spezialisten bei der Bewältigung von Trauma zu sein. Neue Formen der Traumatherapie sprießen wie Pilze aus dem Boden. Dabei gibt es inzwischen sehr gute Methoden, die z.B. über die Körpererfahrungen einen direkten Zugang zu einer Traumaverarbeitung bieten (siehe z.B. Peter Levine, Gene Gendlin oder Dami Charf). Wenn die Methode gut ist, heißt das aber leider nicht gleichzeitig, dass die vermittelnde Person verantwortlich mit ihren Klienten umgeht. Insbesondere traumatisierte Menschen sind auch bei Therapien und Therapeuten anfällig für übergriffiges Verhalten. Daher fallen sie reihenweise auf charismatische Persönlichkeiten herein, die ihnen die Lösung ihrer Probleme versprechen über teure Kurse und Gruppen- oder Einzeltherapien.

Wie bei Paarbeziehungen fühlen sich traumatisierte, empathische und sensible Menschen besonders von Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung angezogen. Das Charisma eines Narzissten ist beeindruckend und magnetisch. Sehr überzeugend kann er vermitteln, wie eine Lösung der eigenen Probleme gelingen kann – gern auch am Beispiel des eigenen Lebens. Dabei werden dann z.B. Methoden anderer Therapeuten neu verpackt und als eigene geniale Entwicklung und Erfindung verkauft. Das Outlaw-Verhalten, die vermeintliche Spontaneität und Emotionalität eines narzisstischen Therapeuten wirkt lebendig, sexy und erfrischend für einen Menschen, der vom Trauma gelähmt ist. Sich so verhalten zu dürfen und endlich einmal voll für sich einzustehen, ist ein Wunschtraum vieler Klienten. Dabei verhält sich der Therapeut oder Heiler als Star, der sich selbst gern reden hört und grundsätzlich am Ende besser weiß als alle anderen, was die einzelnen Klienten denken und fühlen und was ihre Motive sind. Kritik, Unsicherheiten und Fragen sind ungern gesehen und führen gern zu einem Ausschluss.

Aus der Abhängigkeit von einem narzisstischen oder emotional missbräuchlichen Therapeuten lässt sich wie in einer Paarbeziehung nur aussteigen, wenn das Verhalten des Heilers oder Therapeuten durchschaut wird und in der Folge ein strenger Kontaktabbruch durchgeführt wird. Das Verhalten muss als Missbrauch erkannt und ernstgenommen werden. Die Wunden und Verletzungen und auch der wirtschaftliche Schaden, den man von einem Missbrauch durch einen Heiler oder Therapeuten davonträgt, können massiv sein. Es kann daher hilfreich sein, sich mit anderen Geschädigten auszutauschen, um die eigene Wahrnehmung zu bestätigen. Außerdem kann eine Therapie bei einem seriösen Therapeuten helfen. Allerdings ist das Vertrauen in die Therapeuten-Szene bei diesen Menschen nach solchen Erfahrungen zu Recht erschüttert.

Folgende Zeichen sind deutliche Warnmelder:

  • Kritik und Fragen sind nicht erwünscht und werden als mangelndes Verständnis oder als Zeichen der eigenen Störung interpretiert.
  • Der Therapeut/Heiler weiß besser als Du selbst, was Du fühlst, denkst und was Deine Motive sind.
  • Der Therapeut/Heiler zeichnet sich durch extreme Stimmungsschwankungen aus.
  • Der Therapeut/Heiler ändert willkürlich Regeln und hält sich nicht an Absprachen und Vereinbarungen.
  • Es finden willkürliche Ausschlüsse und Ausgrenzungen statt von anderen Klienten oder Mitarbeitern, die auch vor der Gruppe thematisiert und ausgeschlachtet werden.
  • Der Therapeut lästert über seine Klienten vor anderen Mitarbeitern oder Klienten.
  • Andere therapeutische Methoden werden offen oder verdeckt verspottet und verlacht.
  • Klienten und Mitarbeiter werden zu bestimmten, von ihnen selbst unerwünschten Verhaltensweisen gezwungen, um weiterhin dazuzugehören (z.B. bestimmte Übungen durchführen müssen, Bücher des Therapeuten/Heilers lesen müssen, weiter seine Kurse besuchen müssen etc.).
  • Die Integrität und Grenzen der Klienten und Mitarbeiter werden übergangen und nicht respektiert.
  • Einmal erteilte Zertifikate und Qualifikationen werden willkürlich aberkannt.
  • Der Therapeut verlangt Leistungen ohne Gegenleistung von seinen Klienten/Mitarbeitern, z.B. kostenlose Mitarbeit in den Kursen.
  • Der Therapeut/Heiler regt einen radikalen Bruch mit bisherigen familiären und sonstigen Beziehungen, der beruflichen Tätigkeit und/oder anderen Lebensverhältnissen an, weil man z.B. sonst der Linie nicht konsequent genug folgt.
  • Der Therapeut/Heiler verlangt die Änderung von Sprach- und Kommunikationsmustern. Es werden eigene Sprachcodes entwickelt.
  • Der Therpeut/Heiler nutzt Gruppendruck, um das Verhalten einzelner Teilnehmer massiv zu beeinflussen.
  • Der Therapeut beginnt sexuelle Verhältnisse mit Klienten oder ihm unterstellten Mitarbeitern. Das Abhängigkeitsverhältnis wird missbraucht.
  • Der Therapeut/Heiler entsorgt Mitarbeiter und Klienten ohne weitere Erklärung. Dabei entsorgt er insbesondere Menschen, die ihn durchschaut haben, weil sie ihm persönlich zu nah kamen.

Wenn Du selbst solche Erfahrungen gemacht hast, würde ich mich freuen, wenn Du in den Kommentaren ergänzt. Es ist wichtig, dass möglichst viele Menschen erkennen, wie sich narzisstischer und/oder emotionaler Missbrauch in Therapien darstellt.


Bild: pixabay, stux

20 Kommentar

  1. Die letzten Punkte lassen sich m.E. damit zusammenfassen, dass der Therapeut deutlich den Rahmen der Professionalität verlässt. Um diesen einschätzen zu können muss man sich auch damit beschäftigt haben. Jede Übertretung dieser Grenze ist ganz sicher ein eindeutiger Warnhinweis.

  2. Danke für diesen Beitrag.

    Es kamen in den letzten Jahren ganz neue Formen des Missbrauchs zur Palette hinzu, welche den “alten” Therpeuten unbekannt war/ist. Sexting. Hacking. Und so weiter. Weiterhin natürlich der Missbrauch an und durch die Familiengerichte.

    Es scheint mir, dass ein Anstieg des Autoritären in der Gesellschaft auch den Narzisten unter den Therapeuten viel Auftrieb gibt. Sie haben als solche dann auch auch die Macht, falsche Berichte zu schreiben um Patienten zu erpressen, oder ihr Leben anderweitig zu zerstören. Gerichtsgutachten sind sicherlich eine ganz besonders beliebte Einkommensquelle unter diesen Aasgeiern.

    • Ja, das ist auch ein wichtiger Punkt: die Gutachter an Familiengerichten, die ihre Macht leicht missbrauchen können.

  3. Ich bin selber Opfer geworden . Es ging so gar soweit , dass meine damalige Therapeutin mich angezeigt hat wegen angeblicher Freiheitsberaubung . Außerdem hat sie gedroht , dafür zu sorgen das meine Pflegekinder woanders unter gebracht werden .
    Das geschah alles an den Abend , wo ich sie konfrontiert habe . Ich arbeite selber in therapeutischen / Pädagogigischen Bereich und frage mich bis heute wie ich das so verdrängen konnte .

    • Liebe Tina,
      bitte gib Dir selbst keine Schuld. Eigentlich könntest Du sie anzeigen. Das hört sich alles sehr schlimm an. Fühl Dich mal virtuell gedrückt.
      Liebe Grüße
      Rona

  4. Die Therapeutin hat mir Versprechungen gemacht , ambivalente Bindubgsangebote , mir Geschenke gemacht , bis zu 8 Stunden Sitzungen durch geführt und bis in die Nacht mit mir telefoniert . Ich schäme mich dafür sehr !!!!!!!! Als Nebenschauplatz hat sie das mit der Anzeige inszeniert ….

  5. Was mir bei Texten über emotional missbrauchende Therapeuten oft fehlt, ist die Perspektive über in Kliniken arbeitende Therapeuten und Psychiater. Meist lese ich nur von den Formen der Gewalt, die narzisstische ambulante Therapeuten anwenden können und wie Patienten sich davon lösen beziehungsweise das Erlebte verarbeiten können. Narzissten die in Psychiatrien arbeiten haben ja aber nochmal ganz andere Möglichkeiten Macht über ihre Patienten auszuüben und selbst wenn die Patienten die Gewalt erkennen sollten, dürfen sie ja in einer Psychiatrie nicht unbedingt immer die Therapie abbrechen. Mir fehlt es an Informationen und Ressourcen zu dem Thema psychiatrische narzisstische Gewalt und ich würde sehr gerne mehr darüber lesen

  6. Meine Erfahrung mit einem missbräuchlichem Therapeuten:
    Der Therapeut hat mir einen Flyer mit einem Foto von sich darauf in die Hand gedrückt. Es sollte die Eröffnung seiner neuen Praxis gefeiert werden.
    In der Therapie ging es mir immer schlechter. Er hat es so dargestellt, dass etwas herauskommt und mir immer wieder gesagt dass es nicht an ihm liegt sondern an mir.
    Er überredete mich dass eine Verlängerung bei ihm Sinn machen würde, obwohl ich bereits am Ende meiner Kräfte war.
    Er hat sich selbst immer wieder als sehr aufmerksamen und erfahrenen Therapeuten beschrieben, also immer wieder klar gemacht dass er ein guter Therapeut ist.

  7. Die emotionale Mißbrauchszeit mit einem ehemaligen Therapeuten ist jetzt 24 Jahre her. Die emotionalen Verletzungen, die sich damals ereigneten, haben meinen Lebensweg in eine gänzlich andere Richtung umgelenkt, als ich ursprünglich geplant bzw. auch schon praktisch umgesetzt hatte.Ich habe ein fast fertiges Studium an den Nagel gehängt, es wäre mein Traumberuf gewesen. Ich habe einige Beziehungen hinter mir, keine hat gehalten, was ich, im Gegensatz zum Studium, nicht bereue, da auch die Partnerschaften stets nach dem gleichen Schema mit vielen Verletzungen in meine Richtung abliefen. Auch nach diesen 24 Jahren sind die Verletzungen durch den damaligen Therapeuten irgendwie ständig gegenwärtig. Es hört einfach nicht auf, und zu alledem ist auch die überwiegende Mehrheit der Erlebnisse und Kontakte in meinem Leben von ähnlicher Qualität- mir passiert immer wieder dasgleiche, Allerdings muß ich sagen, daß für mich sowohl die o.g. “Gründe” als auch fast alle “Warnhinweise” hinsichtlich des Therapeuten (er war/ist ein Arzt) zutreffen- ich will damit sagen, es handelt sich um ein oder mehrere Muster in meinem Leben, die mich von Kindheit an begleitet haben.
    Ich weiß, daß ich oft traumatisiert wurde und wünsche mir hier jemanden, der/die mir Mut dahingehend zuspricht, daß diese Dinge eines (gern baldigen) Tages aufhören, vor allem die Angst, die sich entwickelt hat, und ich dann im positiven Sinne über diesen Dingen der dann endgültig bereinigten Vergangenheit stehe , wieder zu mir selbst gefunden habe und ich endlich wieder leben kann (vielleicht sogar glücklich) und nicht nur existieren.
    Ich war früher mal ein fröhlicher Mensch mit viel Potential und würde gern beides, Fröhlichkeit und Potential, wieder entfalten, wenn mir jemand erklären könnte, wie man das eigentlich macht.

  8. Hier möchte ich noch mal betonen, dass es nicht die Empathen sind, welche die Narzissten anziehen. Es sind die Narzissten, die nach emphatischen Menschen suchen um diese auszusaugen und zu erniedrigen. Man braucht schon viel Erfahrung, um das Spiel zu durchschauen. Nur wer sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat, weiß, wann man rechtzeitig die Schotten dicht machen muss. Und selbst dann kann es sein, dass der Nazisst schon vorsorglich und sehr diffus den Ruf des Opfers untergraben hat, so dass Menschen, die unterstützen könnten, vom Empath abrücken. Grundsätzlich Schotten dicht machen, kann die Lösung ja nicht sein, oder?

  9. Ich erkenne vier Merkmale wieder – das Schlechtmachen anderer Therapieformen, das Reden über andere Klienten, das Wissen darüber, wie es mir gerade geht – das wird dann noch extrem gut formuliert – und die Stimmungsschwankungen. Mir fällt zudem noch auf, dass mein Therapeut viele Dinge die ich erzählt habe nicht mehr zu wissen scheint und teilweise nicht mehr weiß was in der Stunde davor war.
    Neu ist nun, dass ich bei der letzten Begrüßung zur Stunde eine Bierfahne wahrnahm. Ich konnte ihn erst danach schriftlich darauf ansprechen und er gab zu, dass er vor der Stunde Bier trank. Aber es sei nur ein Schluck und außerdem alkoholfrei gewesen. Er schrieb mir seitdem sehr viel und schrieb auch, dass er sich schuldig fühlt. Ich sagte einen Termin mit ihm ab und er meinte dazu, ich solle aufpassen, dass ich nicht in ein Muster von Kontaktabbruch rutsche. Nun steht der nä Termin an und mir ist seit Tagen extrem schlecht und ich kriege mein Gedankenkarussel nicht mehr ruhig. Ich würde am liebsten wirklich abbrechen und habe Angst, das bestätigt seine Hypothese von Rückzugsdrang … und auch, dass ich dann alleine dastehe.

    Kurz gesagt, es / er hat mich extrem gut im Griff und ich fühle mich sehr manipuliert. 🙁

    • Liebe anonyme Person-bitte sofort die Nichttherapie bei desem therapieunfähigen Möchtegernbehandler abbrechen. Es ist völlig wurscht, welche Thesen er entwickelt oder nicht entwickelt. Wichtig ist nur, ob Du sie annimmst, und Du solltest diese seine Thesen auf keinen Fall für Dich als bedeutsam annehmen.
      Es ist auch Dein höchstpersönlicher Rückzugsdrang, und wenn Du diesen verspürst, dann solltest Du ihm auch folgen. Wenn Du einen Menschen gefunden hast, mit dem Du wirklich einen Weg gehen willst, dann wirst Du keinen Rückzugsdrang verspüren, und selbst dann muß man noch gut hinschauen, ob er /sie wirklich vertrauenswürdig ist. Was das Verhalten von diesem Kerl betrifft, von dem Du berichtest, ist er nicht mal ansatzweise geeignet, um ihm Zugang zu Deinen innersten Befindlichkeiten zu gewähren. Alleine stehst Du sicherlich niemals da, außer Du willst es selbst. (Vielleicht wäre es ja gar nicht so schlimm mit dem Alleindastehen, oder jedenfalls allemal besser als das, was Du jetzt hast.?) Es dauert manchmal eine Weile, bis man einen guten Therapeuten gefunden hat-offensichtlich gibt es sie eher selten. Bitte mach Dich unbedingt auf die Suche nach einem Guten, wenn Du glaubst, einen zu brauchen, und entfern Dich so schnell wie möglich von diesem Mißhandler. Wenn er Dir sogar schon körperliche Krankheitssymptome beschert, dann ist es höchste Zeit- was besseres findst Du ja fast überall.
      Zumindest kanns wohl kaum schlimmer werden, und ich wünsche Dir und möchte, daß es viel, viel besser für Dich wird. Bitte geh gut und liebevoll mit Dir selbst um und such Dir jemanden, der/die wirkliches Interesse an Dir hat und etwas von ihrer /seiner Berufung versteht. Alles Liebe, Claudia.

      • Liebe Claudia,
        ich danke Dir sehr für Deine mitfühlende Antwort und merke beim Lesen wirklich: es fällt mir extrem schwer, abzubrechen, und gleichzeitig habe ich das Gefühl es ist das einzig Richtige …!
        Er schrieb mir, dass ich das Thema, das nun neu aufkam (Alkohol) nur im sozialen Kontakt und nur im Kontakt mit ihm besprechen könne. Er hat mir wirklich gut eingetrichtert, dass ich den Kontakt nun halten MUSS sonst bin ich selbst schuld. Er könne mir ja nur anbieten, etwas mit ihm gemeinsam zu lösen, wollen müsse ich es selbst. Damit hat er ja nicht unrecht, aber auch dieser Satz gibt mir das Gefühl: ich muss auf ihn hören, ansonsten will ich ja nicht und damit bin ich dann selber schuld.
        Mein Gott, wie krass eigentlich, wenn ich das selbst so lese.
        Und dabei bin ich tatsächlich mit ihm sehr weit gekommen, habe ich das Gefühl. Ist es nicht undankbar, jetzt abzubrechen? Müsste ich ihn nicht konfrontieren mit meinem Ärger, mit meinem Schuldgefühl? Müsste ich nicht “dranbleiben”, damit ich ein neues Erleben bekomme ich Richtung, da ist jemand, der sich mit meinem Ärger anders auseinandersetzt?
        Das ist das was mir die ganze Zeit im Kopf herumspringt …
        Was meinst Du / meint Ihr im Forum?
        Ich bin echt total durcheinander ://
        Ich bin eine sie, und mag aber gerade wg. der aktuellen Situation keinen Namen hinschreiben. “J.” als Anrede passt … Herzliche Grüße!

  10. Liebe Claudia, ich kann dir nur Mut machen : du schaffst es mit einer guten fundierten Traumatherapie wieder ins Leben ! Ich möchte dir Klinik am Waldschlösschen in Dresden empfehlen. Der Weg ist hart, aber dort wird dir professionell geholfen .
    Aufgrund meiner Panikattacken musste ich eine ambulante Therapie machen, um wieder in meinem Beruf arbeiten zu können . Mein Therapeut, den ich von einer Bekannten empfohlen bekommen hatte, entpuppte sich nach einem halben Jahr exakt wie in Rona Duwes Artikel beschrieben , nämlich als absoluter Narzisst. Er fing an mich zu manipulieren und mich psychisch und physisch zu missbrauchen ; mit Einzelheiten möchte ich an dieser Stelle niemanden triggern….
    Nach einem Jahr hat er die Therapie von sich aus abgebrochen, weil er kalte Füße bekam, als er bemerkte, wie schlecht es mir ging.
    Ich habe dann eine sehr lange Zeit in der Klinik verbringen müssen. Die Klinikleitung hat ihn nach einem halben Jahr mit meiner Zustimmung angezeigt , da ich selbst nicht die Kraft hatte und nach einem weiteren halben Jahr fand die Aussage vor der Polizei statt. Dummerweise wusste mein Therapeut über seinen Anwalt von dem Termin und hat mich so unter Druck gesetzt, indem er mir drohte meine ganze Vergangenheit, alles was ich ihm in der Therapie anvertraut hatte, öffentlich zu machen und mich als psychisch krank darzustellen.
    Das schlimmste war, dass ich in der ganzen Zeit bis zur Aussage keine echte ( Trauma)Therapie machen durfte, da meine Aussage sonst als „ von einem Therapeuten manipuliert“ gegolten hätte und somit anfechtbar gewesen wäre.
    Vor zwei Jahren bin ich in die Klinik am Waldschlösschen nach Dresden gegangen – richtig, Dorit: Schotten dicht machen ist keine Lösung ! Dort lernte ich wieder Vertrauen in Therapie und Therapeuten zu fassen, da ich durchweg hervorragend gute und äußerst sensible Therapeut/innen hatte.
    Ich habe dort nicht nur meine traumatischen Erlebnisse bewältigt, sondern auch gelernt, dass man vorsichtig vertrauen kann und darf und tatsächlich auf sein Bauchgefühl hören sollte. Wenn man ein „ mulmiges Gefühl“ hat, lieber ansprechen oder den Therapeuten wechseln . Ich hoffe ich bin mit diesen Worten niemandem zu nahe getreten, denn ich möchte einfach nur Mut machen, dass man trotz dieser extrem negativen Erfahrungen gute und hilfreiche Therapie bekommen kann.

    • Liebe(r?-aber vermutlich wohl nicht.) Bille,
      vielen Dank für Deine ausführliche Antwort und die Anteilnahme, die dadurch zum Ausdruck kommt. Allerdings bin ich nicht mehr bereit, auch nach 24 Jahren nicht, einen Therapeuten aufzusuchen, schon gar keine Klinik mit größeren Mengen vonTraumatherapeuten. Das ist nicht mehr mein Weg. Ich bleibe aber dran am Thema, versprochen.( Wenn sich das doch noch irgendwann ändern sollte mit den Therapeuten, so daß ich meine, ich brauche einen, dann danke Dir schon mal für den Tip mit dieser Klinik. )
      Wie schön für Dich , daß Du hast Hilfe finden können und Dich ein bißchen besser fühlst und sogar wieder Vertrauen entwickeln konntest. Weiterhin alles erdenklich Gute fur Dich und liebe Grüße von Claudia.

  11. Liebe Anonym,
    hast du die Möglichkeit dir eine Zweitmeinung zu holen ? ( zB beim Ethikverein -da kannst du anrufen und anonym deinen Fall schildern und dir Rat holen) Du schreibst, dass es SEINE Hypothese von Rückzugsdrang ist. Wenn ein Therapeut so grenzüberschreitend agiert , wie du es schilderst, solltest du gut überlegen . Ich weiß selbst wie schwer es ist gute Therapeuten zu finden , aber hilfreich für dich scheint er nicht zu sein , oder ?

  12. Auch ich habe Missbrauch in der Therapie erfahren: bei einem Physiotherapeuten.

    Nach einem schlimmen Unfall war ich dort fast zwei Jahre lang in Therapie. Er hat mir Halt gegeben und wurde mit der Zeit unendlich wichtig für mich, weil ich viel Bestätigung von ihm bekam. Ich erzählte ihm mehr aus meinem Leben, als ich je einer Freundin erzählt habe: von Gewalt, Übergriffen und fehlender Unterstützung in meiner Kindheit, von Träumen und Ängsten, die ich noch niemandem anvertraut hatte.

    Er begrüßte mich schon nach kurzer Zeit zu den Terminen mit einer Umarmung, war innerhalb der Therapiestunde zunehmend wie ein Freund für mich. Er wickelte auch meinen Mann (ebenfalls Patient bei ihm) ein und kam sogar mal bei uns zu Hause vorbei, was ich sehr skurril fand. Manchmal hatte ich Bauchkribbeln, wenn ich an ihn dachte, aber wenn ich ihn dann sah, war es wieder weg, denn er war absolut nicht mein Typ. Heute weiß ich, dass es Übertragung war.

    Irgendwann glaubte ich, ohne die regelmäßige Therapie durch diesen einen Therapeuten, der mir meinen Körper „zurück gegeben“ hatte, nicht mehr leben zu können.
    Das hat er genutzt und schon die Grenzen immer weiter raus, schickte mir private Nachrichten und wurde immer zweideutiger. Jedes „Nein“ von mir durch Entzug seiner Aufmerksamkeit und schmerzhafte Bestrafungen in der Therapie (z.B. 30 Minuten lang mit den Fingernägeln seitlich an meiner Wirbelsäule auf und ab zu kratzen/drücken, so dass ich tagelang Striemen hatte) in ein „egal, ja“ verwandelt, bis er hatte, was er wollte. Er hat die Stunde sogar als Therapie abgerechnet.
    Danach hat er die Therapie abrupt abgebrochen und meine Welt ist zusammengebrochen. Aber nicht aus Liebeskummer, sondern weil ich ihm so vertraut hatte. Das war unbeschreiblich schrecklich. Ich habe mich monatelang gefragt, was ich falsch gemacht hatte und wo ich ihm noch mehr zu Willen hätte sein können, damit ich weiter zur Therapie gehen darf.

    Ich habe eine PTBS davongetragen, zwei Suizidversuche knapp überlebt, meine Ehe ist fast zerbrochen und wir mussten unsere Kinder aus ihrem Umfeld reißen, weil nur durch einen Umzug der Kontakt zu dem Therapeuten, der seine Praxis um die Ecke hatte, abgebrochen werden konnte. Ich bin in den letzten drei Jahren durch die Hölle gegangen und war lange krankgeschrieben. Noch immer habe ich Flashbacks und große Schwierigkeiten, zu vertrauen.

    Nach einer Therapie bei Marion Becker-Fischer, deren Studien zur Aufnahme des Paragraphen 174c ins StGB geführt hat, konnte ich die Sache als therapeutischen Missbrauch einordnen und habe Anzeige erstattet. Diese läuft seit zwei Jahren und es scheint keine nennenswerten Fortschritte zu geben. Vor drei Wochen erhielt ich den Bescheid, dass die Anzeige eingestellt würde, da eine Freundschaft zu dem Therapeuten nicht ausgeschlossen werden könne- ein Freifahrtschein für jeden Therapeuten, der beabsichtigt, seine Patientinnen flachzulegen. Der Widerspruch läuft.

    Ich fände Austausch mit anderen Betroffenen toll. Z.B. über Twitter, dort heiße ich Chaos55270059
    Man liest sich?!

  13. Liebe Chaos, leider bin ich nicht bei Twitter, deshalb antworte ich dir hier. Wir können uns aber auch gern per Mail austauschen, wenn du möchtest.
    Ich gehe mal davon aus, dass auch Physiotherapeuten genauso wie Ärzte und Psychotherapeuten einer Kammer zugeordnet sind ( deine „Therapiestunden“ wurden doch sicher über die Krankenkasse abgerechnet, oder?) . Dort würde ich deinen Missbrauch anzeigen , denn dort wird dann vielleicht nochmal Druck auf das Strafverfahren ausgeübt, zumindest war das bei mir so.
    Es tut mir so wahnsinnig leid und ich kann deine psychische Verfassung sehr gut verstehen . Auch ich war kurz davor wegzuziehen , meine Kinder mussten die Schule wechseln und ich kann durch die Flashbacks nie wieder in meinem Beruf arbeiten. Es kann nicht sein, dass so ein Verbrechen tatsächlich als „ Freifahrtschein“ gesehen wird. Egal , ob Physio-oder Psychotherapeut: du warst in einem Behandlungsverhältnis und das war ganz eindeutig physischer und psychischer Missbrauch. Es lag in seiner (!!) Hand und nicht in deiner. Das Problem ist, dass die Strafgerichte das tatsächlich nicht so sehen ( war bei mir auch so), die Berufsgerichte allerdings. Deshalb erachte ich es als wichtig ihn, wenn du die Kraft dazu hast , bei der zuständigen Kammer anzuzeigen.
    Du kannst mir gern schreiben ! Ich drücke dir ganz fest die Daumen!
    Bille

  14. Hallo Sybille,
    vielen Dank für Deine Antwort. Bei den Physiotherapeuten ist leider niemand so richtig zuständig, es gibt keine Kammer und mehrere Berufsverbände, bei denen man aber auf freiwilliger Basis Mitglied werden kann. Das Gesundheitsamt kann die Zulassung entziehen, tut das aber nur auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft, die in meinem Fall ja gerade meint, wenn der Therapeut eine Freundschaft vorgegaukelt habe, sei ein Verhältnis auf Augenhöhe nicht ausgeschlossen… Also kümmert sich wohl niemand und der Typ kann seine Patientinnen weiter benutzen, wie es ihm gefällt.

    Ich telefoniere am Montag noch mal mit meiner Anwältin und bin gespannt, wie das weitere Vorgehen so ist. Es kann auf jeden Fall nicht so bleiben und wenn das aktuelle Gesetz nicht anwendbar ist, werde ich für eine Änderung kämpfen. Das betrifft zwar dann meinen Fall nicht, aber ich kann nicht zulassen, dass einfach nichts passiert. Nicht jeder hat so ein Glück wie ich, seine Familie nach so einer Sache nicht zu verlieren und von ihr trotz allem unterstützt zu werden.

    Dass es in SEINER Hand lag, habe ich damals schon die ganze Zeit so empfunden, weil ich gar keinen Einfluss auf die Entwicklungen hatte und auch nichts mitbestimmen dürfte. Trotzdem habe ich mir sehr lange Vorwürfe gemacht (wie viele uninformierte Außenstehende auch), dass ich die Therapie nicht rechtzeitig abgebrochen habe. Aber ich war so abhängig und habe ihm extrem vertraut. Man denkt ja nicht, dass der eigene Therapeut über Leichen geht und nur auf S*x aus ist.

    Wenn es für Rona in Ordnung ist, kann mir jede/r Betroffene gerne schreiben. Ich habe dazu ein E-Mail-Konto eingerichtet, selbsthilfekoeln(at)web.de

    Ich habe mich inzwischen ausgiebig mit dem Thema beschäftigt und freue mich, wenn wir Anlaufstellen, kompetente Fachleute, Literatur usw. zusammentragen können. Aber natürlich ist auch Austausch über das Erlebte und das, was es mit einem macht, immer wichtig. Es gibt kaum Selbsthilfegruppen zu dem Thema, mir ist jedenfalls keine bekannt.

    Was ich jetzt schon sehr empfehlen kann, sind die Bücher „Missbrauchtes Vertrauen“ von Werner Tschan
    und „Sexuelle Übergriffe in Psychotherapie und Psychiatrie“ von Fischer und Becker-Fischer.

    Frau Becker-Fischer praktiziert noch als private Psychotherapeutin in Much und hat ein umfassendes Wissen zu dem Thema. Ich bin sehr froh, sie kennen gelernt zu haben.

    Alles Liebe!
    Chaos

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