Die traute Einsamkeit not hearing lovesongs

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Bist Du nicht traurig, so allein?

Suchst Du nicht nach einem neuen Mann?

Möchtest Du es nicht doch nochmal versuchen mit ihm?

Ist es wirklich endgültig vorbei?

Solche und ähnliche Fragen begegnen mir immer mal wieder, wenn andere sich trauen, mich dazu offen anzusprechen. Ich glaube, viele trauen sich nicht wirklich, weil ich damals recht offensiv die Trennung in die Welt getragen habe mit dem Zusatz, dass es gut so ist. Ich habe das damals vor allem für die Kinder getan, denn ich wollte nicht, dass sie lügen müssen. Es sollte jeder möglichst direkt aus meinem Mund erfahren und ich habe dazu ermutigt, es jedem weiterzuerzählen, der es vielleicht wissen möchte. Es war dann manchmal schon interessant, wer mich plötzlich darauf ansprach.

Nun lebe ich schon fast zwei Jahre in dieser Situation und es ist irritierend: mir fehlt eigentlich nichts.

Sicher liegt das auch daran, dass wir einen “sanften” Übergang hatten. Ich habe schon vorher fast alles allein geregelt. Er war nur am Wochenende da. Ich kannte also die Situation mit Mann und Kind, mit Wochenend-Mann und nun ganz ohne Mann. Ganz-ohne-Mann-und-ein-Kind hatte ich auch schon vorher mal und ich erinnere mich daran als eine sehr schöne Zeit – zwar anstrengend, aber schön. Anstrengend finde ich es jetzt auch und es gibt auch ein paar wenige Situationen, wo mir die Entlastung durch einen Partner fehlt. Es fehlen mir auch die schönen Momente mit ihm und den Kindern. Es war ja alles nicht nur furchtbar. Nein, es gab sogar berauschend schöne Phasen. Dennoch muss ich sagen, dass die Belastung durch die Partnerschaft am Ende für mich deutlich überwog.

Nach all dieser Belastung bin ich froh, dass ich nun nur mit mir allein zu kämpfen habe, was manchmal auch nicht einfach ist. Alles in allem komme ich aber mehr und mehr in einen Frieden mit mir selbst. Dieses drängende Suchen nach einer Ergänzung und Vervollständigung durch einen Partner ist verebbt.

TiNa vom vomwerdenzumsein-Blog schrieb vor geraumer Zeit von einem Atheismus der Beziehung, in den sie sich verfallen fühlt. Es geht mir ähnlich. Ich habe den Glauben an eine harmonisch funktionierende Beziehung für mich verloren. Ich habe auch überhaupt keine Lust mehr auf eine Patchworkfamilie. Wirklich nicht. Ich hatte das jetzt fast 10 Jahre und es hat nicht wirklich gut funktioniert und war wahnsinnig anstrengend. Dennoch trage ich mich immer mal wieder in eine Partnerbörse ein, um zu gucken, was das mit mir macht. Wenn ich dann eintragen soll, was ich mir wünsche und vorstelle, bin ich doch schnell mit meinem Latein am Ende. Ehrlich gesagt: Ich wünsche mir in erster Linie meine Ruhe und meine Freiheit. (Mir fällt grad auf, dass man sowas eigentlich eher bei Männern liest. ;-)) Manchmal wäre es schon schön, dieses Verliebtheitskribbeln mal wieder zu fühlen. Es wäre auch schön, wenn mich öfter mal einer umarmt, oder wenn ich endlich mal wieder ein vernünftiges Gespräch mit einem erwachsenen Mann führen könnte, der mich toll findet. Auch Sex wäre schön, klar. Aber auf dieses ganze Drumherum, das mit einer beginnenden Beziehung einhergeht, kann ich gut verzichten.

Ich könnte natürlich stattdessen eine Affäre in Betracht ziehen, stelle mir das aber ebenfalls unendlich anstrengend vor. Wo soll ich denn in meinem vollgepackten Alltag noch eine Affäre unterbringen? Soll der Mann abends hier erscheinen, wo ich eigentlich schon todmüde bin? Freie Wochenenden habe ich nicht. Wohin also mit dem Mann? Er müsste sich möglichst nahtlos in unseren Alltag einfügen. Er müsste zackig da sein, wenn es grad passt und dann schnell wieder weg sein, wenn es nicht mehr passt. Das wäre morgens. Wer kann das schon? Der Mangel an körperlichen Berührungen lässt mich da schon eher an eine (Tantra-)Massage denken. Meine letzte Ayurveda-Massage ging mir aber eher auf die Nerven. Das waren so schmerzhaft uneinfühlsame Berührungen, dass mir erst recht klar wurde, was mir fehlt. Ich habe dann beschlossen, dass ich es nicht brauche für viel Geld in Öl gelegt zu werden, um mich am Ende zum Heulen zu fühlen.

Ich könnte mich fragen, ob ich nicht auf Dauer etwas seltsam werde, wenn ich ohne Partner durch’s Leben gehe, ob ich dann so eine eigensinnige, seltsame, verbohrte, engstirnige und vertrocknete Person werde. Leider kann ich dieses Vorurteil über alleinstehende Frauen nicht wirklich bestätigen. Stattdessen genieße ich meine Entscheidungshoheit über den Tagesablauf, die Investitionen, die Einrichtung und die Stimmung hier im Haus. Ich habe abends frei und mache in der Zeit, was ich will – und wenn es Arbeiten ist. Der Abend ist allein mir reserviert. Es ist kein anderer da, der Ansprüche an mich stellt oder seine Bedürfnisse äußert und befriedigt haben möchte. Es ist natürlich auch keiner da, mit dem ich mich austauschen kann. Das ist schade. Aber dazu kann ich mich ab und zu mit einer Freundin treffen, aber nur, wenn ich Lust dazu habe.

Wenn ich bei Twitter schreibe, dass ich mir ganz und gar keine Beziehung vorstellen kann, kommen Bemerkungen, dass ich mich noch wundern werde. Ja, mag sein. Andererseits: ich habe jetzt wirklich schon viel durch. Ich bin ziemlich ernüchtert in Bezug auf Beziehung. Ich kenne mich selbst und meine Fallstricke sehr genau. Ich kenne die Muster, auf die ich regelmäßig hereinfalle. Ich weiß inzwischen auch ziemlich genau, wohin mich diese Muster führen können. Diese Schallplatte möchte ich nicht noch einmal abspielen. Ich weiß auch, dass ich bei einem anderen nur suche, was ich bei mir selbst nicht zu finden meine und dass das keine gute Basis ist. Wenn ich jetzt noch einmal eine Beziehung beginnen würde, wünschte ich, dass sie unter einem anderen Stern stünde. Und ich weiß auch: ich müsste wieder in meine Verletzlichkeit gehen mit einem anderen Menschen als Spiegel. Dazu bin ich momentan nicht bereit. Ich bin auch nicht bereit, wieder in ein Abhängigkeitsmuster zu rutschen. Wenn überhaupt wünsche ich mir eine Art von Gleichklang, ein gemeinsames Schauen in eine Richtung, ein Vorwärtsschreiten, ein Entwickeln. Und da weiß ich nicht, ob das in meinem Alter und mit meinem Hintergrund noch möglich ist.

Ist das traurig? Ich weiß nicht.

Warum soll es traurig sei, dass ich mich allein als Frau vollwertig fühle? Mein Bild von Altern schließt nicht unbedingt einen Mann ein. Eher denke ich an Reisen, an Weiterbildung und an interessante Begegnungen – egal, ob Mann oder Frau. Mir wurde immer schlecht, wenn jemand von gemeinsamem Altwerden schwärmte. Für mich ist das eine Horrorvorstellung. Wenn ich meinen großen Sohn frage, ob er einen Mann im Haus vermisst, guckt er mich irritiert an. Ein Mann im Haus ist für ihn Segen und Fluch zugleich. Also kann ich auch meine Söhne mit dem Vorurteil verschonen, dass ihnen etwas fehle. Inzwischen weiß ich: es ist häufig ein Bild, dem ich hinterherjage, ein Bild, das meinen Bedürfnissen nicht wirklich entspricht. Inzwischen bin ich alt und erfahren genug, dass ich meine inneren Bilder gern auf den Kopf stelle und ausschüttle. Am Ende bleibt nicht viel übrig außer Sternenstaub. Erst jetzt kann ich so langsam mit meinen Widersprüchlichkeiten leben.

Ich glaube, dass das eigentlich eine gute Basis für Beziehung ist: Wenige Erwartungen und Projektionen, viel Selbsterkenntnis.


Bild: Pixabay, artemtation