Der Heilermarkt Emotionalen Missbrauch durch Therapeuten erkennen

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Viele Menschen sind heutzutage von frühen Kindheitserfahrungen traumatisiert. Menschen, die schon in der Kindheit mit psychischer oder körperlicher Gewalt konfrontiert waren oder die nicht genügend Zuwendung erfuhren, sind besonders gefährdet, auch als Erwachsene Manipulation und Gewalt in ihren Beziehungen zu erleben oder selbst zu manipulieren und gewalttätig zu werden.

Gründe sind unter anderem:

  • Das Gefühl und der Respekt für die eigenen Grenzen wurde nicht geschult und bewusst oder unbewusst ständig übergangen.
  • Psychische oder körperliche Gewalt in den familiären Beziehungen wurde als normal erlernt.
  • Es wurde vermittelt, dass die eigenen Bedürfnisse und Grenzen weniger wichtig sind, als die Bedürfnisse der Eltern, der Familie oder der Gruppe.
  • Traditionelle Geschlechter- und Verhaltensbilder schränkten die Entwicklung von Selbstwahrnehmung oder Empathie ein.
  • Authentisches Verhalten und authentische und ehrliche Äußerungen wurden als unhöflich oder unerwünscht abtrainiert.

Die Folge ist, dass sich Beziehungsmuster als Erwachsene wiederholen, weil diese Menschen ihre Grenzen sehr schlecht spüren und keinen guten Kontakt zu ihrem Bauchgefühl haben. Das Bauchgefühl ist allerdings wichtig, um Übergriffigkeiten und Missbrauch frühzeitig zu erkennen.

Viele laufen nun mit einem enormen Leidensdruck durch die Welt auf der Suche nach einer Lösung für ihr Leiden und ihre Probleme. Einen Therapieplatz zu erhalten ist sehr schwer. Und selbst wenn man einen Therapieplatz ergattert hat, heißt das nicht, dass der Therapeut oder die Therapeutin passt und wirklich unterstützen kann bei der Bewältigung von traumatischen Erfahrungen. Menschen, die Gewalt in ihren Beziehungen erlitten haben, leiden häufig zum Beispiel noch sehr lang unter posttraumatischen Belastungsstörungen, die ihnen einen normalen Alltag fast unmöglich machen. Wenn sie dann zum Beispiel in einer Psychoanalyse nahegelegt bekommen, dem Täter und ihren Eltern zu verzeihen, leitet das genau in die falsche Richtung.

In den letzten Jahren boomt der Markt der Heiler, die versprechen, Spezialisten bei der Bewältigung von Trauma zu sein. Neue Formen der Traumatherapie sprießen wie Pilze aus dem Boden. Dabei gibt es inzwischen sehr gute Methoden, die z.B. über die Körpererfahrungen einen direkten Zugang zu einer Traumaverarbeitung bieten (siehe z.B. Peter Levine, Gene Gendlin oder Dami Charf). Wenn die Methode gut ist, heißt das aber leider nicht gleichzeitig, dass die vermittelnde Person verantwortlich mit ihren Klienten umgeht. Insbesondere traumatisierte Menschen sind auch bei Therapien und Therapeuten anfällig für übergriffiges Verhalten. Daher fallen sie reihenweise auf charismatische Persönlichkeiten herein, die ihnen die Lösung ihrer Probleme versprechen über teure Kurse und Gruppen- oder Einzeltherapien.

Wie bei Paarbeziehungen fühlen sich traumatisierte, empathische und sensible Menschen besonders von Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung angezogen. Das Charisma eines Narzissten ist beeindruckend und magnetisch. Sehr überzeugend kann er vermitteln, wie eine Lösung der eigenen Probleme gelingen kann – gern auch am Beispiel des eigenen Lebens. Dabei werden dann z.B. Methoden anderer Therapeuten neu verpackt und als eigene geniale Entwicklung und Erfindung verkauft. Das Outlaw-Verhalten, die vermeintliche Spontaneität und Emotionalität eines narzisstischen Therapeuten wirkt lebendig, sexy und erfrischend für einen Menschen, der vom Trauma gelähmt ist. Sich so verhalten zu dürfen und endlich einmal voll für sich einzustehen, ist ein Wunschtraum vieler Klienten. Dabei verhält sich der Therapeut oder Heiler als Star, der sich selbst gern reden hört und grundsätzlich am Ende besser weiß als alle anderen, was die einzelnen Klienten denken und fühlen und was ihre Motive sind. Kritik, Unsicherheiten und Fragen sind ungern gesehen und führen gern zu einem Ausschluss.

Aus der Abhängigkeit von einem narzisstischen oder emotional missbräuchlichen Therapeuten lässt sich wie in einer Paarbeziehung nur aussteigen, wenn das Verhalten des Heilers oder Therapeuten durchschaut wird und in der Folge ein strenger Kontaktabbruch durchgeführt wird. Das Verhalten muss als Missbrauch erkannt und ernstgenommen werden. Die Wunden und Verletzungen und auch der wirtschaftliche Schaden, den man von einem Missbrauch durch einen Heiler oder Therapeuten davonträgt, können massiv sein. Es kann daher hilfreich sein, sich mit anderen Geschädigten auszutauschen, um die eigene Wahrnehmung zu bestätigen. Außerdem kann eine Therapie bei einem seriösen Therapeuten helfen. Allerdings ist das Vertrauen in die Therapeuten-Szene bei diesen Menschen nach solchen Erfahrungen zu Recht erschüttert.

Folgende Zeichen sind deutliche Warnmelder:

  • Kritik und Fragen sind nicht erwünscht und werden als mangelndes Verständnis oder als Zeichen der eigenen Störung interpretiert.
  • Der Therapeut/Heiler weiß besser als Du selbst, was Du fühlst, denkst und was Deine Motive sind.
  • Der Therapeut/Heiler zeichnet sich durch extreme Stimmungsschwankungen aus.
  • Der Therapeut/Heiler ändert willkürlich Regeln und hält sich nicht an Absprachen und Vereinbarungen.
  • Es finden willkürliche Ausschlüsse und Ausgrenzungen statt von anderen Klienten oder Mitarbeitern, die auch vor der Gruppe thematisiert und ausgeschlachtet werden.
  • Der Therapeut lästert über seine Klienten vor anderen Mitarbeitern oder Klienten.
  • Andere therapeutische Methoden werden offen oder verdeckt verspottet und verlacht.
  • Klienten und Mitarbeiter werden zu bestimmten, von ihnen selbst unerwünschten Verhaltensweisen gezwungen, um weiterhin dazuzugehören (z.B. bestimmte Übungen durchführen müssen, Bücher des Therapeuten/Heilers lesen müssen, weiter seine Kurse besuchen müssen etc.).
  • Die Integrität und Grenzen der Klienten und Mitarbeiter werden übergangen und nicht respektiert.
  • Einmal erteilte Zertifikate und Qualifikationen werden willkürlich aberkannt.
  • Der Therapeut verlangt Leistungen ohne Gegenleistung von seinen Klienten/Mitarbeitern, z.B. kostenlose Mitarbeit in den Kursen.
  • Der Therapeut/Heiler regt einen radikalen Bruch mit bisherigen familiären und sonstigen Beziehungen, der beruflichen Tätigkeit und/oder anderen Lebensverhältnissen an, weil man z.B. sonst der Linie nicht konsequent genug folgt.
  • Der Therapeut/Heiler verlangt die Änderung von Sprach- und Kommunikationsmustern. Es werden eigene Sprachcodes entwickelt.
  • Der Therpeut/Heiler nutzt Gruppendruck, um das Verhalten einzelner Teilnehmer massiv zu beeinflussen.
  • Der Therapeut beginnt sexuelle Verhältnisse mit Klienten oder ihm unterstellten Mitarbeitern. Das Abhängigkeitsverhältnis wird missbraucht.
  • Der Therapeut/Heiler entsorgt Mitarbeiter und Klienten ohne weitere Erklärung. Dabei entsorgt er insbesondere Menschen, die ihn durchschaut haben, weil sie ihm persönlich zu nah kamen.

Wenn Du selbst solche Erfahrungen gemacht hast, würde ich mich freuen, wenn Du in den Kommentaren ergänzt. Es ist wichtig, dass möglichst viele Menschen erkennen, wie sich narzisstischer und/oder emotionaler Missbrauch in Therapien darstellt.


Bild: pixabay, stux

7 Kommentar

  1. Die letzten Punkte lassen sich m.E. damit zusammenfassen, dass der Therapeut deutlich den Rahmen der Professionalität verlässt. Um diesen einschätzen zu können muss man sich auch damit beschäftigt haben. Jede Übertretung dieser Grenze ist ganz sicher ein eindeutiger Warnhinweis.

  2. Danke für diesen Beitrag.

    Es kamen in den letzten Jahren ganz neue Formen des Missbrauchs zur Palette hinzu, welche den „alten“ Therpeuten unbekannt war/ist. Sexting. Hacking. Und so weiter. Weiterhin natürlich der Missbrauch an und durch die Familiengerichte.

    Es scheint mir, dass ein Anstieg des Autoritären in der Gesellschaft auch den Narzisten unter den Therapeuten viel Auftrieb gibt. Sie haben als solche dann auch auch die Macht, falsche Berichte zu schreiben um Patienten zu erpressen, oder ihr Leben anderweitig zu zerstören. Gerichtsgutachten sind sicherlich eine ganz besonders beliebte Einkommensquelle unter diesen Aasgeiern.

    • Ja, das ist auch ein wichtiger Punkt: die Gutachter an Familiengerichten, die ihre Macht leicht missbrauchen können.

  3. Ich bin selber Opfer geworden . Es ging so gar soweit , dass meine damalige Therapeutin mich angezeigt hat wegen angeblicher Freiheitsberaubung . Außerdem hat sie gedroht , dafür zu sorgen das meine Pflegekinder woanders unter gebracht werden .
    Das geschah alles an den Abend , wo ich sie konfrontiert habe . Ich arbeite selber in therapeutischen / Pädagogigischen Bereich und frage mich bis heute wie ich das so verdrängen konnte .

    • Liebe Tina,
      bitte gib Dir selbst keine Schuld. Eigentlich könntest Du sie anzeigen. Das hört sich alles sehr schlimm an. Fühl Dich mal virtuell gedrückt.
      Liebe Grüße
      Rona

  4. Die Therapeutin hat mir Versprechungen gemacht , ambivalente Bindubgsangebote , mir Geschenke gemacht , bis zu 8 Stunden Sitzungen durch geführt und bis in die Nacht mit mir telefoniert . Ich schäme mich dafür sehr !!!!!!!! Als Nebenschauplatz hat sie das mit der Anzeige inszeniert ….

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