Die dunkle Seite der Macht …ist nichts für Kinder

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Worum es bei #Mütterthron und #Vaterentbehrung eigentlich geht

Die Diskussion über Mütterthron und Vaterentbehrung zeigt eines sehr deutlich: es geht um Macht, wer die Macht innehat, wer die Macht missbraucht und wer von der Macht missbraucht wird. Das Bild des Thrones, auf dem die Mütter angeblich sitzen, setzt voraus, dass die Mütter eine Macht innehaben und diese Macht auf Teufel-komm-raus behalten wollen. Der Vater ist nach einer Trennung entmachtet, hat keine Entscheidungshoheit über die gemeinsamen Kinder und über seine Frau. Damit der Vater wieder Einfluss nehmen kann und Zugang zu seinen Kindern erhält und damit es nicht zur Vaterentbehrung kommt, muss die Mutter ihre Macht und Hoheit aufgeben.

Dabei wird eines vergessen: im Umgang mit Kindern geht es um vieles. Es sollte aber nicht um Macht gehen. Sobald die Macht und der Stolz Einzug nehmen in eine Auseinandersetzung zwischen Vater und Mutter und vielleicht auch noch Stiefelternteile, wird eine Einigung im Sinne des Kindes eher unwahrscheinlich. Die Fronten verhärten und jeder konzentriert sich nur auf seinen Machterhalt. Dabei kann nichts Gutes herauskommen.

Die Macht in der Familie ist veraltet

Gleichzeitig ist das Bild der Macht innerhalb einer Familie ein sehr altes. Wenn man ein Stückweit hinter die ganze Argumentation schaut, die aus dem Ursprungsartikel hervorscheint, wird hier eigentlich das Bild der traditionellen Familie von Vater-Mutter-Kind hochgehalten. Die Mutter hat die Hoheit über die Kinder. Der Vater hat die Hoheit über die Familie. Dass es inzwischen aber eine sehr vielfältige Familienlandschaft gibt und längst neue Familien- und Erziehungsmodelle kultiviert werden, wird übersehen. Ob hier überall die Kinder unter Vater- oder Mutterentbehrung oder gar Standardfamilien-Entbehrung leiden, wird sich in einigen Jahren herausstellen, wenn z.B. die Kinder aus Regenbogenfamilien erwachsen sind. Das Standardmodell der Familie ist nicht sonderlich alt und es ist kein weltweites Modell. In manchen Ländern wachsen Kinder ganz anders auf. Sie haben eine Menge Bezugspersonen neben Mutter und Vater. Die Rolle und die Macht von Mutter und Vater sind lange nicht so wichtig oder gar ganz anders verteilt, als wir es kennen. Insofern ist also das Modell Vater-Mutter-Kind scheinbar nicht ins Gehirn von Kindern eingebaut. Sie wachsen in die Modelle und Bilder hinein, die wir ihnen vorleben.

Wer will die macht?

Wenn man Kommentare von Vätern liest, die sich wiederum auf meinen Beitrag und deren Vorläufer beziehen, bemerkt man, dass sie sich häufig in ihren Rechten und ihrer Freiheit beschnitten fühlen und dass sie es als ungerecht empfinden, Unterhalt zahlen zu müssen. Auch hier geht es vor allem um Macht: Ich habe ein Recht, das mir nicht beschnitten werden soll. Ich möchte nichts von meinem Geld abgeben müssen. Die Mutter darf nicht über meine Finanzen und meine Zeit bestimmen und sie darf auf keinen Fall Macht über die gemeinsamen Kinder haben. Wenn es also einen schlechten Kontakt zwischen Vater und Kindern gibt, ist die Mutter Schuld. Selten liest man, dass ein Vater sich um einen guten Kontakt zu seiner Ex-Frau bemüht und wirklich Interesse daran zeigt, sich intensiv um gemeinsame Kinder zu kümmern.

Es gibt sicherlich auch Mütter, die Männern gemeinsame Kinder entziehen, um sie zu verletzen und Macht über sie auszuüben. Wenn man z.B. auf dem Stiefmutterblog Beiträge liest, erhält man den Eindruck, dass es viele, viele Mütter sind, die nach einer Trennung so handeln und die gleichzeitig der neuen Partnerin ihres Ex-Mannes damit das Leben zur Hölle machen.

Die Beiträge der Mütter und die Reaktionen auf meinen Beitrag zeigen wiederum, dass die Mütter selbst die ganze Sache häufig ganz anders erleben. Sie haben gar kein Interesse an Macht. Sie würden sich freuen, wenn der Vater sich mehr um gemeinsame Kinder kümmert nach einer Trennung. Viele versuchen lange, gemeinsame Regelungen zu finden, versuchen Zeiten zu ermöglichen, wo Vater und Kind zusammen sein können, verzichten auf Unterhalt, um den Streit nicht eskalieren zu lassen, überzeugen Kinder, die nicht zum Vater gehen wollen, arrangieren sich mit ihrer Eifersucht gegenüber der Next etc. Sie sprechen mit dem Vater, sie gehen zu Erziehungsberatungsstellen, sie stellen sich selbst in Frage, sie fühlen sich verantwortlich.

Meine Erfahrungen mit Patchwork, Macht und Verantwortung

Ich kenne viele Rollen. Ich kenne die Rolle der Stieftochter, der Mutter, der Stiefmutter, der Next und der Ex.

Ich selbst habe mich lange für fast alles verantwortlich gefühlt und gleichzeitig ist mir viel Schuld in die Schuhe geschoben worden. Auch ich habe gehört, dass es mir nur um Macht geht, wenn das Baby sich z.B. beim Vater nicht beruhigte und ich darum bat, es in den Arm nehmen zu dürfen. Ich habe gehört, dass ich das gemeinsame Kind beeinflusse und entziehe, weil das Kind nicht zum Vater gehen wollte und schon gar nicht mehr beim Vater übernachten wollte. Ich habe böse Briefe erhalten, weil ich nach 6 Jahren alleiniger finanzieller Verantwortung für das gemeinsame Kind, Unterhalt einforderte. Ich wurde wiederum verlacht, weil ich den nicht gezahlten Unterhalt der Vorjahre nicht zurückforderte, was ich aus Rücksicht auf die Familie des Ex-Mannes tat. Ich habe für die Interessen der Stiefmutter meines Kindes viel in Kauf genommen und viel abgefedert. Ich habe auch die Exfrau meines neuen Partners verstehen können und die Schwierigkeiten ihrer Kinder, die regelmässig bei uns zu Besuch waren.

Ich habe mich jahrelang überall zurückgenommen und mit Rücksicht gehandelt. Die Folge war: alle waren zufrieden. Nur ich nicht. Denn ich zahlte fast alles, über meine Zeit wurde frei verfügt und auf mich wurde keine Rücksicht genommen.

Über die Vorwürfe, die mir gemacht wurden, habe ich nachgedacht. Ich habe mich in Frage gestellt und versucht mich zu ändern. Irgendwann, nach vielen Jahren, habe ich aber verstanden, dass ich scheinbar die einzige bin, die sich in Frage stellt, sich anpasst und sich zu ändern versucht. Ich habe außerdem nachhaltig verstanden, dass ich auf das Verhalten anderer keinen Einfluss habe und vor allem keine Verantwortung dafür trage.

Seit diesem Zeitpunkt habe ich mich mehr um mehr von meinem Traum einer harmonischen Patchwork-Familie verabschiedet, denn diese funktioniert nur, wenn alle das wollen und alle an einem Strang ziehen. Alle müssen sich dabei von ihren egoistischen Motiven und Machtgelüsten verabschieden und sich gleichzeitig wirklich mitverantwortlich fühlen für den Verlauf. Alle müssten außerdem versuchen, die Motive des anderen zu verstehen und Rücksicht zu nehmen. Es gibt Familien, in denen das nach einer Trennung gelingt, aber offensichtlich sind es nicht viele.

Es sind vor allem leider nicht viele, die die Interessen und das Wohlergehen der beteiligten Kinder in den Mittelpunkt ihrer Entscheidungen stellen. Das sollte das eigentliche Ziel sein. Wenn aber die anderen Beteiligten auf Dauer nicht mitziehen, muss man sich auch abgrenzen lernen und für die eigenen Interessen und die Interessen der Kinder nachhaltig einsetzen. Das kann auch heißen, sich von einer Hoffnung zu verabschieden, dass der andere Elternteil sich endlich wirklich kümmert.

 

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